Die Kirche in Lindenkreuz

Lindenkreutz

Wann in dem erstmals 1483 urkundlich erwähnten Dorf Lindenkreuz die erste Kirche errichtet wurde, ist nicht bekannt. Der heutige Bau stammt im wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert. Der damalige Neubau, der am 19. Sonntag nach Trinitatis (4. 10.) 1744 eingeweiht wurde, bezog aber offenbar im östlichen Teil die Reste eines älteren Vorgängerbaus ein. Dies ist besonders deutlich an einer unregelmäßigen Baunaht in der südlichen Außenwand ablesbar. Das Mauerwerk östlich dieser Störung weist, soweit das unter dem modernen Anstrich erkennbar ist, Fugenritzungen auf, die möglicherweise auf einen Bau aus romanischer Zeit (12./13. Jh.) hindeuten könnten. Weitere Datierunghinweise zu diesem älteren Kirchenbau sind nicht bekannt. Es dürfte sich dabei um einen Saalbau gehandelt haben, der die gleiche Breite hatte wie der heutige und dem östlich ein eingezogener Chorraum, der heutige Turmunterbau (eventuell schon damals als Chorturmanlage), angefügt war.

Die Grundmaße (innen) des Langhauses betragen 15 x 7 m, die des Turmes 3,4 x 4,4 m. Der barocke Neubau erfolgte in schlichter Form, mit hohen, rechteckigen Fenstern. Der obere Teil des Turmes mit einem achteckigen Aufsatz, geschweifter Haube und Laterne wurde in Fachwerk errichtet und verschiefert.

Im Inneren erhielt der Bau an den Längsseiten je zwei Emporen. Der östliche Teil der unteren Nordempore ist als Herrschaftsloge abgetrennt und besaß ursprünglich einen separaten Zugang von außen. Eine hölzerne Wand, welche die Kanzel trägt, grenzt den sonst zum Schiff hin offenen Turm auf der unteren Ebene vom Kirchenraum ab. In dem einstigen Chorraum wurde durch hölzerne Einbauten die Sakristei eingerichtet. Auf der Westseite des Kirchenraumes befindet sich eine wohl nachträglich eingebaute Empore mit der 1860 von August Peternell in Seligenthal angefertigten Orgel.

Zwei renaissancezeitliche Grabplatten sind in der Ostwand des Langhauses eingemauert. Sie erinnern an die Eheleute Gebhart und Anna Münch, die im 16. Jahrhundert als Ortsherren auf dem Lindenkreuzer Rittergut saßen. Die Umschriften lauten: „AN(N)O 1545 DEN 28. NOFEMBER IST DER E. G. VND EHRNVESTE GEBHART MINCH [..] GEBORN VND IM 1611 DEN 7. NOVEMBRIS IN GOT SELICH ENDSCHLAFFEN“ und „ANNO DO. 1580 DEN 7. FEB [I]ST IN GOT ENTSCHLAFEN DIE EDLE VND ER [...]VGENT[S]AM FRAV ANNA MUNCH GEBORNE VON KREIZEN D[ER GEBE ?] [GOT] GNEDIGGE RVHE / IRES ALTERS 34 IAR“. Von der Grabplatte der Anna Münch wird in der Literatur des 19. Jahrhunderts gesagt, sie habe sich in der Sakristei befunden, und der Stein Gebharts befand sich dort, unbemerkt hinter einem Schrank, sogar bis 1986. Beide Steine müssen vom Vorgängerbau der Kirche übernommen worden sein, wobei letzterer sich – angesichts der abgeschrägten linken Kante – ursprünglich an der Ecke zwischen Chor und Kirchenschiff befunden haben dürfte.

Der Taufstein mit der Aufschrift „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ wurde 1883 aus Pirnaer Sandstein hergestellt.

Die „Winterkirche“ unter der Orgelempore wurde in der 1950er Jahren u.a. für die Durchführung der Christenlehre bzw. des Konfimandenunterrichts eingebaut.

Im Turm befinden sich drei Glocken. Die beiden größeren tragen die Aufschriften „EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE“ und „FRIEDE AUF ERDEN“ sowie die Jahreszahl „1924“. Sie ersetzten zwei wahrscheinlich im Ersten Weltkrieg eingeschmolzene Glocken von 1874. Bemerkenswert ist aber vor allem die mittlere Glocke, die noch aus dem Mittelalter stammt. Ihre Aufschrift lautet: „Anno dnî m cccc l xxxx vii  /  Grus maria“. Sie wurde also 1497 gegossen – im gleichen Jahr übrigens, wie die berühmte Erfurter „Gloriosa“.

 

Die Lindenkreuzer Kirche war (bis 1998) stets eine Filialkirche der – demnach wohl älteren – Pfarrei Tautendorf. Die Lindenkreuzer Rittergutsbesitzer hatten aber, mindestens zeitweise, Einfluss auf die Besetzung der Tautendorfer Pfarrstelle. Seit 1998 gehört Lindenkreuz zum Kirchspiel Münchenbernsdorf. Bei den jüngsten Baumaßnahmen im Jahr 2007 wurde das Dach neu gedeckt und der Außenanstrich erneuert. Die letzte Restaurierung im Kircheninneren erfolgte 1985/86.