Die Kirche von Gera-Thieschitz

Kirche Thieschitz

Die Flur, in der der Erlbach in die Elster mündet, gehört zu Thieschitz und den beiden eingepfarrten Orten Rubitz und Milbitz. Die drei Ortschaften sind Gründungen sorbischer Siedler. Deren Gräber hat man auf den so genannten „Totenacker“ hinter der Kirche gefunden. Nicht mehr vorhanden sind die „Zwerghöhlen“, Auslaugungen von Gipsablagerungen und Reste ehemaligen Bergbaus. Sie waren das unterirdische Reich des Zwergenkönigs Cyrillis und seines Völkleins. Hilfsbereit begegneten die Zwerge denen, die sie ernst nahmen. Bei den Dorfbewohnern waren sie als dienstbare Geister gern gesehen. Als sie aber übermäßig Gefallen am frisch gebackenen Brot zeigten und es sich heimlich nahmen, wurde man ihre überdrüssig. Man mischte dem Brot Kümmel und andere Gewürze bei. Die Zwerge, die das nicht vertragen konnten, verließen unter Wehklagen das Elstertal für immer. Hinter dieser Sage könnte die Verdrängung der Sorben durch deutsche Siedler stehen.

Thieschitz erscheint erst sehr spät – 1533 als Deschitz und 1534 als Thieschitz – urkundlich, hat aber schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestanden. Die Kirche zu Thieschitz gilt, wie die zu Schwaara, als ehemaliges Filial der Geraer Stadtkirche. Ein Rest der alten Kirche aus der romanischen Zeit ist trotz der Um- und Erweiterungsbauten noch im Turmunterteil erhalten geblieben. Eine mögliche Existenz eines Langhauses wird für das Jahr 1541 vermutet. Im Jahr 1567 war Nikolaus Finck Ortspfarrer.

1967 erhielt der Innenraum eine gelungene Erneuerung, die man beim Anblick des Kirchenäußeren nicht erwartet. Sie gleicht weiterhin der Umgestaltung der Filialkirche zu Hartmannsdorf. Beide wurden fast zu gleicher Zeit renoviert. Neu ist der Altar, hinter dem das alte Kruzifix von 1768 steht, neu ist auch das Taufgestell. Erneuert und im Stil Altar und Taufe angeglichen, steht die Kanzel, über vier Stufen begehbar, fast zu ebener Erde vor dem Triumphbogen. Dass die Empore an Nord- und Südwand weggenommen wurde, ist kein Verlust. Es ist noch genügend Platz da. Auch das Licht kann nun ungehindert und ungemindert Einlass finden. 1993 wurde die Dacheindeckung erneuert. 1994/95 wurden am Turm Putzarbeiten durchgeführt. Durch Spendengelder und Fördermittel war es möglich im Herbst des Jahres 2006 zunächst den Altarraum und im Jahr der BUGA 2007 das Kirchenschiff weitestgehend zu restaurieren und zu renovieren. Der Weihnachtsgottesdienst 2007 konnte in einer schmucken und gut besuchten Kirche gefeiert werden.